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Die Vorbereitenden Übungen des Bön

Bevor Sie mit den tatsächlichen Vorbereitenden Übungen beginnen, sollten Sie zuerst noch ein paar andere Dinge kennenlernen.

 

 

Die Vierfache Praxis um unseren Geist zu trainieren

Zum besseren Verständnis der Bön-Lehren und deren Qualitäten, ist es wichtig, den Wert der eigenen perfekten menschlichen Geburt gemeinsam mit ihrer Natur der Vergänglichkeit zu erkennen. Solange Sie die Erleuchtung nicht erreicht haben, werden Sie ewig in dieser zyklischen Welt des Leidens, der Beschwerden und den Enttäuschungen herumirren. Sie werden die Ergebnisse Ihrer Handlungen von Ihren eigenen Taten erleben — sowohl positiv als auch negativ. Um das Leid zu überwinden, müssen Sie das Gesetz von Ursache und Wirkung verstehen und erkennen.

 

Die vierfache Praxis wird verwendet, um den untrainierten Geist in Übereinstimmung mit dem Bön wie folgt zu zähmen:

 

➳ durch das Erkennen der Seltenheit eines perfekten menschlichen Körpers,

➳ durch das Erkennen der Natur der Vergänglichkeit des Lebens,

➳ durch das Erkennen der Quellen des Leidens in dieser zyklischen Welt und

➳ durch das Verständnis des Gesetzes von Ursache und Wirkung.

 

 

Das Erkennen der Seltenheit eines perfekten menschlichen Körpers

Erstens, was bedeutet es, die Seltenheit eines perfekten menschlichen Körpers verwirklicht zu haben? Sie müssen sich entscheiden, ob Sie die achtzehn Qualitäten ausbauen wollen, die einen perfekten menschlichen Körper ausmachen. Die achtzehn perfektionierten Qualitäten sind die acht Bedingungen und die zehn Vollkommenheiten.

 

Wenn Sie diese Qualitäten nicht perfektioniert haben, dann müssen Sie üben, um einen Weg zu finden, dies zu erreichen. Die Unvollkommenheit von auch nur einer dieser Eigenschaften wird einen Unterschied in Ihrer Praxis machen. Wenn Sie all diese Eigenschaften erreicht haben, ist es sehr wichtig, dass Sie sich verpflichten, diese seltene Gelegenheit in diesem Leben dazu zu verwenden, um sich in der Praxis zu engagieren und allen fühlenden Wesen zu helfen.

 

 

Die acht Bedingungen

Um die acht Qualitäten zu perfektionieren, dürfen Sie nicht unter einer der acht folgenden Bedingungen leben. Dies liegt daran, weil ihre jeweiligen Leiden Sie in Ihrer Praxis stören.

 

 

1. Der Höllen-Bereich

Im Höllen-Bereich wird man durch den Zorn in vergangenen Leben geboren. Im Höllen-Bereich wird man ständig vor Kälte und Hitze leiden. Nicht einen einzigen Moment ist man frei von Leiden. Daher gibt es keine Möglichkeit und keine Zeit zu üben oder für Belehrungen. Deshalb ist dieser Bereich nicht frei von Leiden.

 

 

2. Der Bereich der hungrigen Geister

Die Geburt in diesem Bereich wird verursacht durch Anhaftung. In dem Bereich der hungrigen Geister gibt es ständig Hunger und Durst. In jedem Augenblick ihres Lebens schmachten diese Wesen für Essen und Trinken, aber selbst wenn sie dies erhalten, sind sie unfähig, es aufzunehmen und leiden weiter. Deshalb haben diese keine Möglichkeit zu üben.

 

Hiermit ist eine Geschichte über Tertön Guru Nontse, ein großer Entdecker der Schätze des Bön und ein bekannter Lehrer, verbunden. In einer Vision fragte er eine ältere Dame der Hungergeister «Verstehen Sie die Eigenschaften von den tugendhaften und den untugendhaften Taten? Kennen Sie eine Rezitation oder Gebete?» Sie antwortete: «Ich kenne die Qualitäten von tugendhaften und untugendhaften Taten und kann auch Gebete rezitieren, aber viele meiner 500 Kinder sterben an Hunger und Durst. Es gibt keinen Moment, in dem ich frei bin, um die Praxis auszuüben».

 

 

3. Der Bereich der Tiere

Die Geburt als jede Form von Tier wird durch Unwissenheit verursacht. Die Leiden dieser Wesen enthalten Unwissenheit, keine Freiheit für Entscheidungen und Abhängigkeit. Unter den Tieren ist die höchste Form ein Haustier. Wenn wir hundert Bände der Lehren von Tönpa Shenrab vor ihnen platzieren und die Lehren rezitieren, können diese Tiere den Segen der Gebete erhalten, ansonsten verstehen sie kein Wort. Da sie aus Mangel an Klarheit und Wissen immer leiden, sind sie keinen Moment frei. Daher gibt es keinen einzigen Moment, in dem sie sich mit der kleinsten Menge an Praxis engagieren können.

 

 

4. Der Bereich der langlebigen Götter

Wer in diesem Bereich geboren wird, glaubt dass er das ultimative Ziel erreicht hat und ist dadurch sehr zufrieden mit sich. Dies ist der Grund, warum diese sich in keiner Art von Praxis engagieren. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens in einem Zustand der Wahrnehmungslosigkeit. Unmittelbar vor dem Sterben erkennen sie plötzlich, dass sie in einem niedrigeren Bereich wiedergeboren werden und in diesem Moment, erzeugen sie eine falsche Ansicht über ihre Macht. Da sie keine Möglichkeit zu üben haben, gibt es keine Chance, ihre falsche Ansicht zu den Lehren zu ändern und ihr Leiden wird sich fortsetzen.

 

 

5. Das Fehlen von Erleuchteten

Die Zeit der Abwesenheit der Erleuchteten ist als das dunkle Äon bekannt. Diejenigen, die in einem Ort geboren werden, wo es keine Erleuchteten gibt, werden nicht genug Glück haben, um die Lehren des Bön zu erhalten. Deshalb werden sie die Essenz des Bön nicht verstehen und auch nicht in der Lage sein, zwischen den Qualitäten der tugendhaften und untugendhaften Taten zu unterscheiden. Jeden Augenblick ihres Lebens wird zu mehr Leid führen und es wird keine Zeit oder kein Platz für die Praxis vorhanden sein.

 

 

6. Das Fehlen der Lehren

Wer an einem Ort geboren wird, wo die Bön-Lehren wegen seines Karmas nicht gelehrt werden, wird sicherlich nicht wissen, was und wie man übt, noch wird er den Wert des Bön kennen. Ihm wird natürlich ein Verständnis für die Qualität der Erleuchteten und des tugendhaften Handelns fehlen. Deshalb gibt es keine Chance, Erleuchtung zu erlangen. Diese werden nicht in der Lage sein, die Freiheit vom Leiden der zyklischen Existenz, zu gewinnen.

 

 

7. Keine guten gesundheitlichen Bedingungen

Wenn wir als behinderte oder psychisch kranke Menschen geboren werden, werden wir, obwohl wir die Möglichkeit haben, die Lehren zu erhalten, nicht in der Lage sein, deren Wesen zu verstehen. Zum Beispiel haben wir keine Möglichkeit, den Segen durch den Anblick der Erleuchteten und den Lehrern zu erhalten, wenn wir blind sind. Wenn wir taub sind, gibt es keine Chance, die Worte der Lehre zu hören.

 

Wenn wir dumm sind, können wir nicht rezitieren und die Bedeutung der Lehren diskutieren. Wenn wir mental behaftet sind, dann haben wir keine Möglichkeit, die Lehren in unserer Praxis anzuwenden und damit sowohl die tugendhaften und untugendhaften Taten als auch die Qualitäten des Leidens und der Erleuchtung klar zu verstehen. Wir werden immer an dem Fehlen dieser Qualitäten leiden.

 

 

8. Falsche Ansichten gegenüber den Lehren haben

Wenn Sie falsche Ansichten zu den Lehren entwickeln, dann werden Sie nicht in der Lage sein, die Lehren in irgendeiner Weise zu praktizieren. Stattdessen werden Sie die negativen Ansichten und schlechtes Karma anbauen. Fehlende positive Ansichten zu den Lehren werden dazu führen, dass die Segnungen, die Energie und die Macht des Bön aufhören.

 

Dies sind die acht Bedingungen, welche die Schüler an dem freien Praktizieren behindern können. Unter diesen Bedingungen gibt es keine Möglichkeit des Übens, um Erleuchtung zu erlangen. Passend dazu gibt es ein Zitat von Dangwa Don Gyi Dho: «Wenn wir in irgendeiner Form als ein Wesen der Hölle, als hungriger Geist oder im Tierreich, welche nicht frei von Leiden sind, geboren werden, gibt es keine Möglichkeit, die Lehren zu verstehen und keine Gelegenheit, die Lehren zu erhalten. Wegen Nicht-Verstehen gibt es keine Praxis und wegen Nicht-Praktizieren gibt es keine Möglichkeit, um die Erleuchtung zu erreichen».

 

Man muss das Glück haben, frei zu sein von all diesen Hindernissen, um zu üben und um Verständnis zu gewinnen. Nur dann gibt es eine Möglichkeit, auf den Pfad der Erleuchtung zu gelangen.

 

Wir alle sollten aus dem Kern unseres Herzens klar verstehen, dass der Erhalt dieses vorübergehenden menschlichen Körpers ist, wie wenn man einen Schatz in einem Traum findet — wenn wir aus diesem Traum aufwachen, haben wir nichts in unseren Händen.

 

 

Das Erkennen der Natur der Vergänglichkeit des Lebens

Es ist für Praktizierende sehr wichtig, die Natur der Vergänglichkeit tief zu realisieren. Je mehr Sie die Natur der Vergänglichkeit verstehen und sich mit ihr durch die tägliche Praxis im Leben vertraut machen, desto mehr werden Sie dazu aufgefordert, ohne Aufschub regelmäßig zu üben, und dies wird auch Ihr Verständnis der Wirklichkeit vertiefen.

 

Wir alle haben einen allgemeinen Wunsch zu praktizieren, aber da unserer wahren Verwirklichung der Aspekt der Vergänglichkeit fehlt, verschieben wir unsere regelmäßige Praxis Tag für Tag, Woche für Woche. Wir glauben, dass wir am nächsten Tag oder nächste Woche üben, weil wir oft in einer sehr bestimmten Weise denken, dass wir morgen oder am nächsten Tag immer noch hier sind. Eigentlich ist dies sehr unsicher und wir sollten dies deutlich erkennen. Das Wichtigste ist, sich der Seltenheit des perfekten menschlichen Körpers bewusst zu sein und über seine Bedeutung nachzudenken. Wenn man eine Gelegenheit verpasst, wird es vielleicht keine andere geben. Diese perfektionierte Qualität ist sehr unbeständig und lässt sich jederzeit durch viele Bedingungen oder Umstände ändern.

 

Es gibt folgende sechs verschiedenen Methoden, mit denen die Vergänglichkeit besser zu realisieren ist:

 

1. Das Meditieren über die Vergänglichkeit durch die Reflektion auf das sich wechselnde und entwickelnde Universum

Das Universum ist nach dem gemeinsamen Verdienst von Lebewesen in Form von Bergen, Seen, Ozeanen und so weiter aufgebaut. Alles davon scheint sehr stabil und dauerhaft für das menschliche Auge, aber eigentlich entwickelt sich alles weiter. Zum Beispiel kann Erosion Gewässer verändern. Berge können immer durch Erdrutsche, Vulkanausbrüche, Erdbeben und so weiter verändert werden. Feuer, Wind, Regen und andere Elemente verändern die physische Landschaft.

 

 

2. Das Meditieren über die Vergänglichkeit durch die Reflektion über den Zustand der Lebewesen im Universum und deren Geburt, Tod und Leid

In der gleichen Weise wie sich das Universum weiter entwickelt und zerstört wird, entwickeln sich die in diesem Universum enthaltenen Lebewesen auch weiter und verschwinden durch die drei großen Krisen von Krankheit, Hunger und Krieg. Laut einem Zitat aus einem der Dho-Texte: «Keines der fühlenden Wesen wird ohne Änderung oder zu Sterben ewig sein».

 

Wir sind uns einig, dass, weil wir geboren worden sind, das Ende unseres Lebens der Tod ist. Aber wir können dies nicht wirklich aus der Tiefe als eine Erfahrung der Vergänglichkeit erkennen. In den sechs Bereichen der Existenz hat keiner unserer Vorfahren von Anfang bis jetzt ewig gelebt. Sie alle folgten dem Weg der Unbeständigkeit und starben an verschiedenen Bedingungen, wie Hunger, Krankheit oder Krieg. Tönpa Shenrab und die großen Erleuchteten, die sich in menschlicher Form manifestiert haben, haben uns den Weg des Todes und der Umwandlung gezeigt, so dass wir die wahre Qualität der Vergänglichkeit verstehen.

 

 

3. Das Meditieren über die Vergänglichkeit durch die Reflektion über das Wesen des Todes und der Geburt der großen Erleuchteten und Meister in der Vergangenheit

Der Grund, dass wir die großen Meister und Erleuchteten als Beispiele nehmen ist, um zu erkennen, dass wenn diese sterben mussten, es keine Chance für ein normales fühlendes Wesen gibt, ewig am Leben zu sein. Diese großen Meister von Zhang-Zhung und Tibet, die sich selbst ermächtigt haben, während jeder Zeit zu manifestieren, gingen auch durch den Prozess des Todes. Sie alle folgten dem gleichen Weg des Sterbens, so dass wir fühlenden Wesen auch bereit sein sollten, dem Weg der Vergänglichkeit zu folgen und unsere Vorstellung aufgeben, dass das Leben dauerhaft ist.

 

 

4. Das Meditieren über die Vergänglichkeit durch die Reflektion auf die Geburt und den Tod von den Lebewesen

Alle Wesen, von den höchsten Ebenen des Bereichs der Götter bis zu dem tiefsten Grund der Höllen, sind vergänglich. Ein Zitat aus einem Sang Ngag-Text sagt: «Nach der Geburt gibt es keinen anderen Weg, als dem Weg des Todes zu folgen und es gibt keine Möglichkeit von der Herrschaft des Herrn des Todes zu entkommen».

 

Es gibt immer Lektionen über die Vergänglichkeit zu lernen. Wenn wir über den Zeitraum von unserem jetzigen Leben, von der Geburt bis jetzt, nachdenken, haben viele unserer Verwandten, unsere Nachbarn und Freunde, von der Kindheit über die Jugend bis ins hohe Alter, Krankheit und Tod erlitten. Von den mächtigsten Menschen der Welt bis zu den Ärmsten muss jeder dem gleichen Weg folgen und jeder ist gleichermaßen von der Natur der Vergänglichkeit begrenzt. Wenn wir darüber nachdenken, können wir es in dem täglichen Leben anwenden, so dass wir ein besseres Verständnis über die Art und die Qualität der Vergänglichkeit erhalten werden. Wenn die Zeit zu sterben für uns kommt, kann man sich dem Tod ohne Bedauern und Beunruhigung stellen. Wir werden in der Lage sein, dem Weg der Weisheit zu folgen und, aufgrund unserer Erfahrungen der Praxis, leichter die Erleuchtung erreichen. Wenn wir bewusst sind, gibt es viele Aspekte des täglichen Lebens und der Umgebung, um unser Erkennen der Vergänglichkeit des Lebens zu verbessern.

 

 

5. Das Meditieren über die Vergänglichkeit durch die Reflektion über verschiedene Beispiele von Umwandlungen

Denken Sie über die allmählichen Veränderungen in den Jahreszeiten nach. Denken Sie über Momente nach, wenn Sie Freude empfinden und wie das gleiche Gefühl in Trauer umgewandelt werden kann, nur weil der Weg der Natur sich ändert. Wir können so auch über die Veränderungen im Leben der Menschen denken. Zum Beispiel können gute Beziehungen zwischen den Familien und Freunden sich plötzlich zur Wut und Gewalt ändern. Vielleicht wird jemand, den wir nicht mögen und als Feind betrachten, plötzlich ein guter Freund werden. Unsere Gesundheit kann plötzlich durch eine Krankheit verwandelt werden. Es gibt unendlich Beispiele in unserem täglichen Leben und unserer Umgebung, welche die wirkliche Vergänglichkeit des Lebens zeigen.

 

 

6. Das Meditieren über die Vergänglichkeit durch die Reflektion auf die Erfahrung des Todes

Wir Lebewesen erwarten, dass wir für eine lange Zeit leben, ohne daran zu denken, dass der Tod jederzeit, an jedem Ort und unter vielerlei Umständen auftreten kann. Weil uns ein Verständnis für die wahre Natur der Ungewissheit fehlt, haben wir die Vorstellung, dass, da wir jung und gesund sind und eine Familiengeschichte des langen Lebens haben, wir für eine lange Zeit leben werden. Diese Konzeption ist das Haupthindernis für die Verwirklichung der wahren Natur der Vergänglichkeit. Wir haben vielleicht doch nicht die gleiche Lebensdauer wie andere Familienmitglieder sie haben, denn jeder hat sein eigenes Karma und Schicksal. Der Tod kann jederzeit kommen und wir werden keine andere Wahl haben, außer, dass wir dem Pfad folgen.

 

Wenn der Tod kommt, gibt es keine Möglichkeit für uns oder unsere Familie, unser Leben zu retten oder unseren Tod zu verschieben. Die einzige verfügbare Hilfe kommt von unseren tugendhaften Taten, unserem Vertrauen und dem Glauben an die Erleuchteten, unsere Lehrer und die Lehren (und ihren Segen) und unserer Praxis. Alles andere in unserem Leben besteht nur aus materiellen Objekten, die uns behindern und dazu führen, Anhaftungen an unserem Leben zu haben. Diese Dinge werden unseren Weg zur Erleuchtung behindern.

 

Es ist wichtig, über die Vergänglichkeit zu meditieren, um sich von den Leiden dieser zyklischen Welt zu lösen und die Weisheit der Realisierung zu entwickeln. Dies ermöglicht es uns, Erleuchtung zu erlangen. Nur ein Verständnis der Vergänglichkeit reicht nicht aus, um die Erleuchtung zu erlangen. Es ist wichtig zu erkennen, dass jeder einzelne Moment unseres Lebens durch die Praxis beeinflusst werden kann. Nur auf diese Weise kann die Ich-Bezogenheit und das Greifen überwunden werden.

 

In früheren Zeiten gingen die großen Meister in Tibet oft zu einem Friedhof, um zu meditieren. Dies ist ein guter Ort, um die Vergänglichkeit des Lebens zu erfahren. Einigen Praktizierenden wurde sogar ein Skelett an ihre Tür gehängt, um sie daran zu erinnern, dass das Skelett einst Teil eines menschlichen Körpers war, aber sein Zustand aufgrund der Natur der Vergänglichkeit verändert wurde.

 

 

Das Erkennen der Quellen des Leidens in dieser zyklischen Welt

Es ist nicht genug, die kostbare Qualität unserer Geburt als Mensch zu verstehen. Es ist wichtig, die Quellen des Leidens in der zyklischen Existenz zu erkennen und diese Erkenntnis in unserer Praxis anzuwenden. Dies wird uns helfen, den Ozean des Leidens für immer zu überwinden. Wenn wir die wahren Quellen des Leidens nicht erkennen, gibt es keinen Weg, um uns vollständig von ihnen zu befreien.

 

Die häufigsten Ursachen der Leiden, die von allen Menschen erfahren werden, sind:

 

➳ Leiden durch die Geburt,

➳ Leiden durch das Alter,

➳ Leiden durch die Krankheit,

➳ Leiden durch den Tod,

➳ Leiden durch die Angst,

➳ Leiden durch die Gedanken über das Getrenntsein von den Liebsten,

➳ Leiden durch einen Mangel an grundlegenden Bedürfnissen und

➳ Leiden durch die Angst vor Verlust des Reichtums

 

Der Zweck der acht verschiedenen Ebenen des Leidens ist nicht auf eine bestimmte Anzahl begrenzt, sondern um zu zeigen, wie begrenzt wir von den Qualitäten dieser zyklischen Existenz sind. Um das Leiden zu überwinden, ist es notwendig, über jede dieser acht Stufen zu reflektieren. Wir müssen die verschiedenen Arten von Leiden erkennen und uns vor allem auf diejenigen beziehen, welche uns die meisten Schwierigkeiten bereiten. Der Zweck dieser Übung ist es nicht, uns zu beunruhigen, sondern uns zu warnen und uns aufzuwecken, solange es noch Zeit gibt, diese Leiden zu überwinden.

 

 

Das Verständnis des Gesetzes von Ursache und Wirkung

Ein wesentlicher Teil der Bön-Lehren ist es, die Folgen des Gesetzes von Ursache und Wirkung in unseren täglichen Leben zu verstehen und zu erkennen. Alle Taten des Körpers, des Geistes und der Rede können starke Ergebnisse haben. Als Praktizierender werden wir bewusster, wie wichtig und wertvoll die Lehren von dem Gesetz von Ursache und Wirkung sind. Diese Lehren werden einen Unterschied sowohl in unserem jetzigen Leben als auch bei unserer Wiedergeburt machen.

 

Die Früchte aller unserer Taten, sowohl die Positiven als auch die Negativen, werden sich folglich in unserem Leben manifestieren und wir werden deren Auswirkungen erleben. Sie werden uns im Laufe unseres Lebens unablässig begleiten. Dies ist vergleichbar mit einem Vogel, der in den Himmel fliegt. Egal wie hoch der Vogel fliegt, wird sein Schatten ihm untrennbar auf dem Boden folgen und wird sich mit ihm, dort wo er landet, vereinen.

 

Es gibt kein einziges Ergebnis, das ohne eine Ursache erscheint. Die Umstände in unserem jetzigen Leben, ob angenehm oder unangenehm, sind das Ergebnis unseres Handelns. Es ist wichtig, dieses Gesetz in einem tieferen Sinn zu verstehen, um zu begreifen dass es notwendig ist, tugendhafte Taten zu praktizieren und untugendhafte Taten zu vermeiden.

 

 

Die untugendhaften Taten

Die untugendhaften Taten werden durch die fünf Gifte und dem Ergebnis von den zehn untugendhaften Aktionen, mit ihren Früchten, verursacht. Nach einem der DhoTexte ist es wesentlich, untugendhafte Handlungen zu überwinden, die Gifte, die sie verursachen, zu identifizieren und sie dann zu vermeiden. Ohne die Reinigung oder die Überwindung der fünf Gifte gibt es keinen Weg, um Erleuchtung zu erlangen. So wie ein Arzt die Ursache einer Krankheit diagnostizieren muss, um dann die richtigen Medikamente zu verschreiben, die Sie heilen, müssen Sie erkennen, wie die fünf Gifte uns beeinflussen und dann die Gegenmittel durch das Praktizieren anwenden. Durch diese Praxis wächst unsere Aufmerksamkeit, um die Macht der folgenend fünf Gifte langsam zu unterwerfen:

 

1. Unwissenheit,
2. Anhaftung,
3. Wut,
4. Stolz und
5. Eifersucht.

 

Für alle fühlenden Wesen und vor allem für uns als Praktizierende, sind die gefährlichsten Feinde unsere eigenen fünf Gifte. Wenn wir uns von diesen Giften nicht befreien, können wir keine Erleuchtung erlangen. Allerdings hat jedes fühlende Wesen die Fähigkeit, die fünf Gifte zu überwinden.

 

Wir sollten bei jeder unserer Aktionen aufmerksam sein, so dass wir unsere Fehler korrigieren können und uns verpflichten, dies nicht wieder zu tun. Wenn wir nicht ständig unsere Aufmerksamkeit auf diese Gifte richten, werden wir nicht in der Lage sein, diese zu unterwerfen, und wir werden unter ihrem Einfluss allmählich tiefer und tiefer sinken. Das kostbare Leben von diesem perfekten menschlichen Körper wird zu Ende sein, ohne seinen Zweck, die Erleuchtung zu erreichen und allen fühlenden Wesen zu helfen, sich vom Leid dieser zyklischen Welt zu befreien, erfüllt zu haben.

 

Wir können, durch das Praktizieren, die Lehren als Gegenmittel zu den Giften anwenden, in Übereinstimmung mit dem Pfad der Abkehr von Dho, dem Pfad der Umwandlung von Sang Ngag oder dem Pfad der Selbst-Befreiung oder dem Dzogchen. Es ist wichtig zu wählen, welcher dieser Wege die meisten Vorteile im täglichen Leben bringt und welcher nach der eigenen Ebene des Bewusstseins am besten geeignet ist.

 

Die zehn untugendhaften Taten werden hauptsächlich durch den Einfluss der fünf Gifte verursacht. Diese werden in die drei untugendhaften Taten des Körpers, die vier untugendhaften Taten der Rede und die drei untugendhaften Taten des Geistes eingeteilt, von denen jede nachfolgend beschrieben wird.

 

 

Die drei untugendhaften Taten des Körpers

 

1. Ein Leben nehmen

Dies kann von dreien der fünf wichtigsten Gifte erzeugt werden: Wut, Unwissenheit und Anhaftung. Zum Beispiel kann das Leben während eines Krieges, der hauptsächlich auf Wut basiert, genommen werden. Wir können auch aufgrund einer Anhaftung das Leben nehmen, weil wir den Wunsch haben, Fleisch zu essen oder einen Pelzmantel besitzen wollen. Wir können auch das Leben eines Anderen, wegen der Unwissenheit oder dem Mangel an einem klaren Verständnis von den positiven und negativen Ursachen und Wirkungen, nehmen. Wir glauben, dass wir nicht am Töten von einem Wesen beteiligt sind, in Wirklichkeit ist aber jeder Mensch an dieser untugendhaften Tat beteiligt.

 

Ob wir Vegetarier oder keine Vegetarier sind, ernähren wir uns durch das Töten von Tieren und Pflanzen. Selbst beim Gehen auf dem Boden töten wir mikroskopische Lebewesen. Aus diesem Grund sollten wir uns alle kontinuierlich von diesen negativen Taten reinigen.

 

 

2. Stehlen

Dies ist der Wunsch, einen materiellen Gegenstand, direkt oder indirekt durch Gewalt oder Raub, zu erhalten. Unsere Absicht ist etwas zu besitzen, egal was wir tun müssen, um es zu bekommen. Unsere Anhaftungen können uns dazu führen, diese Tat zu begehen. Es ist sehr wichtig, Loslösung von materiellen Objekten zu entwickeln, um den Wunsch zu stehlen zu vermeiden.

 

 

3. Sexuelles Fehlverhalten

Dies betrifft Laien-Praktizierende, insbesondere wenn sie Gelübde der Enthaltsamkeit nehmen, an besonderen Tagen, wie dem Geburtstag von Tönpa Shenrab, den Geburtund Todes-Tagen anderer großer Meister und den Vollmond-Tagen in den Klöstern. Eine sexuelle Beziehung ohne die Zustimmung des Partners gilt auch als sexuelles Fehlverhalten.

 

 

Die vier untugendhaften Taten der Rede

 

1. Lügen

Diese untugendhafte Tat hat zwei Aspekte: Lügen mit der Absicht anderen zu schaden oder sie zu täuschen und Lügen ohne die Absicht, jemanden zu schädigen. Die schlimmste Lüge ist, bei einer anderen Person den Eindruck zu hinterlassen, dass wir Weisheit oder Wissen haben, welche wir in Wirklichkeit nicht besitzen. Unserem Lehrer zu erzählen, dass wir Gott, Gottheiten oder andere Visionen haben, die wir in Wirklichkeit nie gesehen haben, ist eine Lüge, die extrem negative Ergebnisse hat. Es ist für die Menschen üblich, zu versuchen einen temporären Nutzen durch die Lügen zu erhalten, ohne sich um die daraus resultierenden negativen Auswirkungen zu kümmern. Es ist klüger, die langfristigen Folgen für sich selbst und andere zu prüfen, bevor wir uns zum Lügen entscheiden, da das Lügen Leiden verursachen kann. Lügen haben, im Gegensatz zur Wahrheit, nicht die Energie der ewigen Kraft.

 

 

2. Absichtlich Probleme zwischen Freunden zu verursachen

Diese untugendhafte Tat wird durch die Eifersucht und die Begrenztheit des Denkens auftreten, wenn wir negative Gedanken in Richtung Freunden oder der Gemeinschaft erzeugen. Wir zerstören wahre Nähe zwischen Personen, wenn es unsere Absicht ist zu lügen, um eine Freundschaft auseinander zu brechen. Dies ist ein mächtiger negativer Akt, weil wir die unschuldigen Herzen echter Freunde verletzt haben. Wir haben die Samen von Gift unter ihnen gepflanzt, die wachsen werden, bis die Freunde unsere betrügerische Absicht erkennen. Selbst wenn wir dann unsere negativen Gedanken reinigen, werden wir vom Empfang der negativen Ergebnisse dieser Aktion nicht frei sein, weil wir die Quelle waren. Wir sollten uns bewusst machen, dass unser negatives Verhalten sowohl uns als auch andere beeinflussen wird. Wir sollten stattdessen positive Verdienste und tugendhafte Taten anbauen, die zu Glück und Freude führen können und diejenigen, die durch absichtliche Bosheit getrennt wurden, wieder zusammen bringen.

 

 

3. Harte Worte

Diese untugendhafte Tat ist eine der mächtigsten Taten, die uns schaden können. Es gibt ein tibetisches Sprichwort, das lautet «Das harte Wort ist keine Waffe, aber es wird dein Herz in Stücke schneiden». Wenn wir mit jemandem sprechen, ist es wichtig, uns den Worten, die wir verwenden, bewusst zu sein. Harte Worte müssen nicht unbedingt laut oder im Zorn gesprochen werden. Worte, die höflich gesprochen werden, können den Wesen auch schaden, auch wenn die betroffene Person nicht anwesend ist. Harte Sprache erzeugt sehr energische Wut oder Eifersucht, also müssen wir vorsichtig sein, wie wir die Familie, Freunde, Ältesten und andere ansprechen. Auf die Schwächen von Anderen in der Öffentlichkeit hinzuweisen ist, wie wenn man einen Finger in ihre Augen drückt. Um dieses Verhalten zu überwinden, muss man lernen, wie man mit der echten, liebevollen und ehrlichen Absicht richtig spricht.

 

 

4. Geschwätz

Diese untugendhafte Tat kann mit oder ohne Absicht auftreten. Zum Beispiel verbringen wir oft unsere Zeit damit, mit Freunden über Dinge zu reden, ohne ein bestimmtes Ziel im Auge zu haben. Das ist ein unbeabsichtigter Klatsch. Es kann aber auch absichtlicher Klatsch geschaffen werden, um sich in Szene zu setzen. Hauptsächlich bedeutet Klatsch, dass wir unsere Zeit ohne Ziel oder Zweck mit reden oder lachen verbringen. Diese Aktivität wird als Zeitverschwendung bezeichnet.

 

 

Die drei untugendhaften Taten des Geistes

 

1. Negative Gedanken

Diese untugendhafte Tat ist die Erzeugung von negativen Gedanken. Wenn wir ein Objekt sehen, das wir gerne haben würden, kann es in unserem Geist bleiben und unsere Bewunderung zu ihm kann stärker werden. Es erhält unsere Aufmerksamkeit, auch wenn wir es nicht besitzen. Ein weiteres Beispiel ist, wenn man jemanden mit einen glücklichen und erfolgreichen Leben sieht, können wir böse Gedanken erzeugen, dass er oder sie keine Freude oder keinen Erfolg erleben sollte.

 

 

2. Schädliche Gedanken gegenüber Anderen

Diese untugendhafte Tat ist ähnlich, aber heftiger als die negativen Gedanken. Sie bedeutet die Bereitschaft, bei anderen Schaden hervorzurufen oder etwas zu zerstören, um das Elend zu verursachen. Wenn wir die Freude und das Glück anderer sehen oder sie in Luxus leben sehen, und dies unsere schädlichen Gedanken anfacht, wollen wir ihr Glück zerstören, in der Hoffnung, dass schlechte Dinge mit ihnen geschehen oder wir richten schädliche Gedanken auf sie, was als «nod sem» bekannt ist.

 

Wenn wir wollen, dass jemand etwas verliert oder in einem größeren Zusammenhang, darüber nachdenken, jemanden zu Töten, sind wir eher geneigt, unter dem Einfluss von Seite Zorn aufzutreten. Es gibt auch Aspekte der Eifersucht, woran schädliche Gedanken gegenüber Anderen beteiligt sind.

 

 

3. Falsche Ansichten gegenüber den Lehren

Diese untugendhafte Tat des Geistes ist ein Ergebnis von dem Mangel am Verständnis von den wesentlichen spirituellen Aspekten der Lehren. Je nach Karma gibt es eine Vielzahl von Ansichten, deren Erscheinen man möglicherweise falsch nennen könnte, wie der Unglaube an die Wahrheit des Gesetzes von Ursache und Wirkung oder der Unglaube an die vergangenen Geburten und zukünftigen Wiedergeburten. Andere falsche Ansichten können nicht akzeptieren, dass die Erleuchtung als Ergebnis der Praxis erreicht wird, oder die Wahrheit und die Qualität der Bön-Lehren wird nicht anerkannt. Alle diese unterstützen und verfolgen den Weg der falschen Ansichten.

 

Wie im Text von dem Mutek Zar Chö Ten Tsik Tek Dho beschrieben, gibt es 360 verschiedene Arten von falschen Ansichten, die zu 99 Arten von falschen Ansichten vereinfacht werden können. In der einfachsten Klassifikation gibt es zwei wesentliche ungläubige Traditionen: Eternalismus und Nihilismus.

 

 

Das Gesetz von Ursache und Wirkung ist einfach wahr. Jeder Aspekt unserer tugendhaften Taten wird zu Frieden, Glück und Güte führen. Auf die gleiche Weise werden alle untugendhaften Taten von Körper, Geist und Rede dazu führen, dass wir und andere Leiden und Unglück erleben. Die beste Vorgehensweise, um unsere negativen Taten zu reinigen, ist das Entwickeln unserer inneren Weisheit und uns in der Praxis zu engagieren. Um uns von untugendhaften Taten zu befreien, sollten wir Großzügigkeit mit reiner Absicht üben. Es ist von Verdienst, wenn man auch nur eine einzelne Blume oder ein Räucherstäbchen anbietet. Wir können die Dinge der Darbringung auch mental in unserem Geist erzeugen.

 

 

Die zehn tugendhaften Taten

Die Praktizierenden müssen strikt die zehn folgenden tugendhaften Taten üben:

 

1. Vermeiden einem anderen Wesen das Leben zu nehmen,
2. Großzügigkeit praktizieren,
3. Achtsamkeit üben,
4. Nach der moralischen Disziplin sexuelles Fehlverhalten überwinden,
5. Die Wahrheit sagen und Lügen vermeiden,
6. Versuchen Freunde zusammen zu bringen, die sich getrennt haben (statt der Trennung von Freunden durch die Verbreitung von Gerüchten),
7. Friedlich und ruhig zu sprechen, anstatt ein harte Sprache zu verwenden,
8. Uns in der Praxis üben (Gebete und Rezitationen machen, statt die Zeit mit Klatsch zu verschwenden),
9. Frei von bösen Gedanken gegenüber anderen sein (Erzeugung von Liebe und Güte statt schädlichen Gedanken anderen gegenüber) und
10. Frei von falschen Ansichten zu den Lehren sein (Das Gesetz der Wahrheit von Ursache und Wirkung erkennen und den spirituellen Weg gehen).

 

Das Ergebnis unserer tugendhaften und untugendhaften Taten zwingt uns entweder zu der Geburt in dieser zyklischen Welt des Leidens oder befreit uns, um die Erleuchtung zu erlangen.