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Das Guru-Yoga auf Tapihritsa

 

Tapihritsa

 

Einführung

Nach der Bönpo-Tradition, war Tapihritsa ursprünglich ein gewöhnlicher Mensch, gebürtig in Zhang-Zhung in Nord-Tibet, aber durch die eigene Praxis des Dzogchen, sowohl in Bezug auf den Zustand der Betrachtung als auch auf das Trekchö (Abschneiden) und den Visionen des Klaren Lichts, was das Thögal bedeutet, erreichte er Realisierungen und die volle Erleuchtung. Im Allgemeinen wird von Tapihritsa gesagt, dass er der wichtigste Meister in der Übertragungslinie für das Zhang-Zhung Nyan-Gyud ist.

 

Er war der 25. individuelle Meister in der Linie für die Übertragung, die von Tönpa Shenrab und Sangwa Dupa zu dem göttlichen Shen-Praktikzierenden Yongsu Dagpa kamen und von diesem dann bis zu seinem eigenen Lehrer Tsepung Dawa Gyaltsen im siebten Jahrhundert herunterkamen. Alle vierundzwanzig Meister in dieser Übertragungslinie wurden Jalüpas oder Regenbogenkörper aus Licht.

 

Nach neun Jahren des Übens in einer Höhle in den Bergen von Nord-Tibet, erlangte er die Erleuchtung und Befreiung von Samsara, und damit die beispielhafte Realisierung des Regenbogen-Körpers des Großen Übergangs, ohne irgendwelche materielle Spuren seines physischen Körpers zu hinterlassen.

 

Der Guru Yoga von dem Zhang-Zhung Nyan-Gyud wird in der Regel durchgeführt, während der Praktizierende Tapihritsa in dem Himmel vor sich selbst visualisiert, gerade wie dieser Meister ursprünglich Gyerpungpa erschien, als er die Übertragungen für die Dzogchen-Lehren und Erfahrungen in der Meditation der früheren Meister in der Linie offenbarte. Durch diesen Visualisierungs-Prozess erstellt der Praktizierende einen heiligen Raum und eine heilige Zeit, wiederholt die archetypischen Handlungen von Gyerpungpa, als er die ersten Übertragungen von seinem eigenen erleuchteten Meister erbeten und erhalten hat.

 

 

Wie funktioniert die Praxis von dem Guru Yoga?

Die Notwendigkeit einer Haltung von Hingabe

 

Wie soll man diese Praxis machen? Nach dem Finden eines ruhigen Ortes, wo man nicht gestört wird, sollte der Praktizierende zuerst intensiven Glauben und glühende Hingabe zum Guru und seinen Lehren kultivieren. Man sollte glauben, dass man tatsächlich in der unmittelbaren physischen Präsenz von Tapihritsa sitzt, der wiederum mit dem eigenen persönlichen Wurzel-Meister oder dem Tsawe Lama identisch ist. Dies ist der Meister oder spirituelle Lehrer, mit dem man eine enge karmische Verbindung über viele vergangene Leben hinweg hatte und der einem in diesem Leben die wichtigsten Einweihungen und Erläuterungen der Lehren gibt, einschließlich der direkten Einführung in den eigenen Geist.

 

Betend mit großem Glauben und glühender Hingabe, fragt man um Hilfe und Führung durch die Art, wie sich der kurze und schnelle Pfad zur Erleuchtung, der das Dzogchen ist, enthüllt. Mit diesem Gefühl des Glaubens, der Ehrfurcht, der Hingabe und der Intimität, wird beim Rezitieren der Anrufung, der Geist auf die klare Visualisierung von Tapihritsa in dem offenen Himmel vor sich selbst gerichtet. Man fühlt seine aktuelle Präsenz. Man öffnet das Herz vorbehaltlos ganz im Geist des vollkommenen Vertrauens zu ihm. Die Segnungen von Guru Tapihritsa sind wie das Licht der Sonne, sie werden unvoreingenommen auf alle vergossen.

 

Aber um die Freude der warmen Sonne zu genießen, muss man zuerst einen Schritt aus der dichten kühlen Dunkelheit der Höhle machen, welche die eigene begrenzte egoistische Existenz und das Ego-Bewusstsein ist. Diese Haltung von der totalen Hingabe, der Offenheit und der Kapitulation im Rahmen der Guru-Yoga-Praxis kann nicht genug betont werden. Denn gerade diese emotionale Intensität ist sehr viel mehr als das intellektuelle Verstehen, welche die Guru Yoga-Praxis anfeuert und aktualisiert, so dass die Realisierungen konkreter, wirksamer und lebendiger werden. Das ist keine bloße intellektuelle Übung, denn es verkörpert konkret eine intime persönliche Beziehung. Und wie der Meister Jigmed Lingpa gesagt hat, ist das Guru Yoga nur wirksam, wenn einem die Haut kribbelt und die Haare zu Berge stehen.