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Die fünf Punkte Meditations-Haltung

 

Auf einem bequemen Sitz nimmt man die fünf Punkte Meditations-Haltung ein, wodurch eine Ausrichtung der psychischen Kanäle stattfindet, die gewährleistet, dass das Prana oder die vitalen Winde der psychischen Energie reibungslos und harmonisch im Körper fließen, so dass ablenkende Gedanken eher nicht auftreten können.

 

Folglich kann der Geist leichter gezähmt und kontrolliert werden. Die Positionen, welche die wesentlichen Punkte des Körpers darstellen, sind wie folgt:

 

1. Man sitzt mit gekreuzten Beinen in einer Weise, welche die Aktivitäten der vitalen Winde im unteren Teil des Körpers regelt und steuert, vor allem was den Apana-Vayu betrifft, den sich nach unten bewegenden wichtige Wind, der die Aktivitäten im unteren Verdauungstrakt und die Beseitigung von Abfallprodukten wie Urin und Fäkalien regelt.

 

2. Die Wirbelsäule ist gerade wie ein Pfeil, der die Gelenke und die Muskeln in Ausrichtung hält, sowie die Funktionen der Winde und Kanäle an ihren richtigen Plätzen im ganzen Körper harmonisiert, vor allem was den Vyana-Vayu oder alles durchdringenden wichtigen Wind betrifft, der es ermöglicht, dass die Muskeln bewegt werden. Die vier Gliedmaßen des Körpers werden straff und fest gehalten, aber nicht angespannt und nie locker und schlaff.

 

3. Die Hände werden in der Samadi-Mudra, der Geste des Gleichgewichts, gehalten, die linke Hand liegt über der rechten Hand. Diese Geste regelt und steuert die Aktivitäten der inneren Organe des Körpers. Sie balanciert und harmonisiert ihre Funktionen, insbesondere was den Samana-Vayu betrifft, den für den Wärme-Ausgleich wichtige Wind, der die Körperwärme, den Stoffwechsel und die Verdauung regelt. In dieser Geste ruht die linke Hand auf der rechten Hand, die Daumen jeder Hand drücken an die Basis der Ringfinger.

 

4. Der Hals ist wie ein eiserner Haken ein wenig nach vorne geneigt. Dieses regelt und steuert die Aktivitäten von der Sprache und anderen Funktionen der Kehle, wie Schlucken und betrifft vor allem den Udana-Vayu, der sich nach oben bewegende wichtige Wind, der diese Operationen regelt.

 

5. Die Schultern sind ein wenig wie die Flügel eines Geiers, der sich in den Himmel aufschwingt, gebeugt. Dieses regelt und kontrolliert die Aktivitäten der vitalen Winde im Körper oder Oberkörper, vor allem was den Prana-Vayu betrifft, der die Atmung in der Lunge und die Zirkulation des Blutes aus dem Herzen reguliert.

 

Darüber hinaus ist die Blick-Richtung geradeaus, mit offenen Augen konzentriert man sich auf den Raum vorne über der Spitze der Nase. Die Augen sind halb geschlossen und man vermeidet die Bewegung der Augen oder zu vieles Blinzeln. Diese Steuerung des Blicks dient auch dazu, die Aktivitäten des Prana-Vayu zu regulieren und somit störende Gedanken aufgrund der ungeregelten und unruhigen Bewegungen dieses lebenswichtigen Windes von sich zu halten.

 

Des weiteren schwebt die Zunge und berührt nicht den Gaumen. Es gibt einen Zwischenraum zwischen den Zähnen im Mund, wo man ein sanft klingendes «aaaah...» erzeugen kann.

 

Durch das Sitzen in dieser Fünf-Punkte-Meditationshaltung gleicht man den physischen Körper aus und harmonisiert die Bewegungen und den Fluss der vitalen Winde oder psychischen Energien, wodurch die Entstehung von störenden Gedanken gehemmt wird. Man kann sich auch einen Meditationsgurt für zusätzliche Unterstützung des Körpers verwenden, um die Position für längere Zeit zu halten.

 

Wir sitzen in diesem Schneidersitz, die Hände ruhen auf dem Schoß und die Handflächen sind nach oben gedreht, die linke Hand ruht in der Rechten und die Daumen jeder Hand, die gegen die Stelle an der Basis des Ringfingers drücken, schließen und dichten vorübergehend das Klesha-Nadi oder den psychischen Kanal ab, durch den negative Provokationen von Energie aus der äußeren Umgebung Zugriff auf den Körper gewinnen könnten. Nach der Tradition des tibetischen Schamanismus können durch diese beiden Kanäle der rechten und der linken Hand, von den Spitzen der Ringfinger bis zum Herz, Geister in den Körper gelangen und von dem Einzelnen Besitz ergreifen. Durch das Schließen dieser beiden Kanäle schützt sich der Praktizierende bei der Meditation.

 

Beim Üben im Zustand der Betrachtung oder im natürlichen Zustand sollte der Praktizierende einfach in einem Zustand der Untätigkeit oder Unbeweglichkeit von Körper, Rede und Geist entspannen. Ansonsten verursachen die Aktivitäten des eigenen Geistes und der Energie Unausgewogenheiten in den psychischen Kanälen und den vitalen Winden und dies führt wiederum zu störenden Gedanken und Gefühlen, die im Zustand der Betrachtung stören. In Zusammenhang mit den Dzogchen-Lehren bezieht sich die Betrachtung oder das Samadi nicht nur auf einen ruhigen Zustand des Geistes (Shamatha) oder auf intensive Konzentration und Rückzug von den Sinnen (Dhyana), sondern man ist im Natürlichen Zustand (Rigpa). Zu diesem Zweck gibt es eine spezielle Körperhaltung, wo der physische Körper mit den fünf oben beschriebenen Mudras gebunden ist.

 

Halten Sie den Körper unbeweglich und verhindern Sie körperliche Aktivitäten, welche die vitalen Winde und die psychischen Kanäle stören könnten. Der Geist oder das Bewusstsein sind immer mit diesen subtilen Winden, welche die psychischen Energien bewegen, verbunden. Der Geist und die psychische Energie sind zueinander wie ein Reiter mit einem widerspenstigen Pferd verknüpft. Wenn die vitalen Winde unausgewogen sind, wird der Geist oder Fluss der Gedanken unausgewogen und Ablenkungen entstehen im Bewusstsein. Sanftes tiefes Atmen und Stillschweigen macht diese lebenswichtigen Winde unbeweglich. Ohne die Bewegungen dieser Winde kommen keine diskursiven Gedanken auf. Die Konzentration und die Fixierung der Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand der Meditation bringen die Unbeweglichkeit des Geistes zustande. Daher ermöglichen die drei Unbewegtheiten von Körper, Rede und Geist dem Praktizierenden im natürlichen Zustand noch ein helles Alarm-Bewusstsein. Daher ist diese Fünf-Punkte-Position für die Meditation sehr wichtig.