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Zuflucht und Niederwerfungen

 


 

Wenn Autoren oder sonstige Autoritäten keine Niederwerfungen gemacht haben...

 

Ich stelle gerade fest, dass man das Ganze hier nicht in die irgendwo erwähnten drei Gruppen mit jeweils drei Praktiken aufgliedern kann, sondern dass man die Praxis der «Zufluchtnahme» in die Praktiken «Zufluchtnahme» und »Niederwerfungen» auftrennen muss.

 

Hier schlage ich vor, dass man zuerst eine gewisse Anzahl an Niederwerfungen mit der kürzesten Zufluchts-Formel,

 

LAMA YIDAM KHANDRO SUMLA CHAP SU CHI WO
oder
Ich nehme Zuflucht zu meinen Lehrern, den männlichen und weiblichen Gottheiten,

 

macht und sich dann, mit der gleichen Visualisierung, hinsetzt und die gleiche Anzahl von einem mehrzeiligen Zufluchts-Vers rezitiert, und zwar solange, bis man jeweils 100.000 Wiederholungen dieser beiden gemacht hat.

 

Nachdem Ihnen nach den Niederwerfungen (hoffentlich) der Schweiß heruntertropft, können Sie sich setzen und mit der gleichen Visualisierung eine mehrzeilige Zufluchts-Formel rezitieren, wobei Sie dann schnell wieder mit dem Schwitzen aufhören. Dadurch fühlen Sie sich dann Wohl und lernen die sonstigen wohltuenden Auswirkungen der Niederwerfungen zu schätzen.

Im Hinblick auf das Sutra-System, nimmt der Praktizierende die Zuflucht zu den drei Juwelen, welche die Buddhas, ihre Lehren und die spirituelle Gemeinschaft sind, während man in Bezug auf das Tantra-System, auch Zuflucht zum Guru, zu der Meditations-Gottheit und zu den Dakinis oder den weiblichen Energie-Manifestationen nimmt. Diese sind als die drei Wurzeln bekannt. Doch nach der Sichtweise des Dzogchen ist das wichtigste Objekt der Zuflucht der Guru oder der realisierte Meister. Es ist dieser Meister, der dem Praktizierenden den natürlichen Zustand im Zusammenhang mit einer intimen persönlichen Begegnung und eines Dialogs direkt zeigt. Dies ist die Zuflucht im absoluten Sinne, die direkte Einführung in die Natur des Geistes, aber es besteht in Bezug auf das Sutra und das Tantra auch die Zuflucht im relativen Sinn, die sich in der Praxis auch bewährt hat.

 

Hier in der Bön-Tradition kommt zuerst das Bodhichitta, weil die Absicht, Erleuchtung zu erlangen, das Fundament auf dem geistigen Weg des Mahayana ist und die grundlegende Motivation für das Folgende darstellt. Jedoch ist das Nehmen der Zuflucht nicht nur das laute Wiederholen einiger Formeln oder das Lesen einiger gut gemeinten frommen Worte. «Zuflucht» bedeutet ein absolutes Vertrauen und erzeugt eine totale Hingabe an die Buddhas, ihre spirituellen Lehren und in die spirituelle Gemeinschaft. Das Nehmen der Zuflucht hängt von dem eigenen Glauben und der Hingabe ab.

 

Wenn der Praktizierende eine echte und leidenschaftliche Hingabe hat, dann wird die Zuflucht sehr stark, effektiv und kraftvoll sein. Auch all dies hängt von der Entscheidung des einzelnen Praktizierenden, seinem Vertrauen und seiner Hingabe ab. Die Ultimative Zuflucht liegt die ganze Zeit innerhalb des individuellen Geistes-Stroms als Prinzip der Erleuchtung, aber im konkreten Sinn schafft der Praktizierende die Zuflucht, indem er sich vorbehaltlos öffnet und durch seine Hingabe an sie. Es ist das gleiche mit der Sonne am Himmel. Sie ist die ganze Zeit da, aber zuerst muss man aus dem Schatten der Höhle kommen, um sie zu empfangen und ihr Licht zu genießen. Aus diesem Grund sollten Sie das Bodhichitta und die Zuflucht jeden Tag praktizieren.

 

Was das Wichtigste hier ist, ist vollkommenes Vertrauen in Buddha zu haben. Aus diesem Grund vertraut man weder in die weltlichen Götter oder Naturgeister, noch nimmt man Zuflucht zu ihnen. Für diese weltlichen Götter und Geister gilt, egal wie mächtig, langlebig oder klug sie auch sein mögen, sind diese nicht erleuchtet und gehören immer noch zu der Ordnung des Daseins, die auf Samsara ausgerichtet ist. Weil Buddha auf der anderen Seite ein allwissendes und erleuchtetes Wesen ist, gibt es nichts Höheres als Buddha, der Samsara völlig überschritten hat. Daher sollte man sich nicht auf die weltlichen Götter verlassen, die durch Wahrsagerei und Hellseherei zu einem sprechen, und dies über das Wort und die Kraft von Buddha stellen. Bei dem Verhalten hier, fließt die Zufluchtnahme zu Buddha. Und da man die Zuflucht zu den Lehren von Buddha, dem Dharma oder dem Bön hat, sollte man in Bezug auf die heiligen Schriften und die spirituellen Bücher, allgemeine Bilder und Fotos von den Buddhas, Stupas, Tempeln und so weiter, zeigen.

 

Und schließlich nimmt man die Zuflucht in die spirituelle Gemeinschaft der Bodhisattvas, die unaufhörlich den Lebewesen nutzen und sie zu der Befreiung von Samsara führen. Warum muss man Zuflucht zu dieser Gemeinschaft der Bodhisattvas nehmen? Zu Beginn ihrer spirituellen Karriere haben sie geschworen, allen fühlenden Wesen zu helfen und sie aus dem Gefängnis von Samsara bis zur Befreiung zu begleiten. Und weil diese unzählige Lebenszeiten in der unaufhörlichen Praxis der Lehren verbracht haben, haben sie das Wissen und die Fähigkeit, genau das zu tun, entwickelt. Sie sind nicht mehr nur ein gewöhnliches Wesen, das in Samsara verblendet und machtlos ist, sondern Sie bilden eine spirituelle Gemeinschaft, deren Zweck es ist, zu inspirieren und die spirituelle Evolution dieses Planeten zu der Verwirklichung von der Buddhaschaft zu führen, die das ultimative Ziel von jeder Evolution ist. Der Praktizierende kommt dazu, sich an dieser kollektiven Anstrengung zu beteiligen. Deshalb sollten Sie von einem der spirituellen Brüder und den spirituellen Schwestern nicht schlecht reden und keinen Widerspruch und keine Spaltung innerhalb deren spirituellen Gemeinschaften betreiben. Dies sind die Gelübde der Zuflucht.

 

Gemäß dem Sutra-System dauert es die zahllosen Leben von drei unermesslichen Kalpas, um die Buddhaschaft zu erreichen und es existieren viele Hindernisse für diesen Prozess, die auf diesem Weg sichtbar und unsichtbar sind. Was kann der gewöhnliche Praktizierende tun? Aus diesem Grund nimmt man Zuflucht zu Buddha, der Lehre und der spirituellen Gemeinschaft von den Großen Bodhisattvas, sowie zu dem Guru. Diese repräsentieren die vier wertvollen Juwelen. Aber unter ihnen ist der Guru oder Lama am wichtigsten. Dies ist, weil Buddha vor langer Zeit lebte und jetzt nur noch eine Erinnerung ist, während der Guru oder der Meister, hier und jetzt, in diesem Leben ist. Er ist in der Lage, an die Praktizierenden die Ermächtigungen, die den Geistes-Strom reifen, und die geheimen mündlichen Anweisungen, die das Verständnis befreien, zu übertragen. Die verschiedenen Nirmanakaya-Buddhas breiteten die Lehren von dem Dharma während ihrer jeweiligen irdischen Laufbahn vor langer Zeit aus und diese Lehren sind in der heutigen Welt als ein Leitfaden erhalten geblieben.

 

Der Guru oder der Meister ist hier und jetzt, präzise und konkret in dieser gegenwärtigen Situation, der Repräsentant von Buddha. Er führt uns direkt in die Natur des eigenen Geistes ein. Er macht dies auf die gleiche Weise, wie dies ursprünglich Tönpa Shenrab, Buddha Shakyamuni oder jeder andere Buddha für diese Angelegenheit, dies gemacht haben. Allerdings ist es nicht notwendig, eine Prüfung zu machen, um zu sehen ob ein Guru genau die gleichen Eigenschaften wie die verschiedenen historischen Buddhas hat. Vielmehr ist es ausreichend zu wissen, ob er die Lehren in der richtigen Weise und in der gleichen Weise, wie auch die vorherigen Buddhas, überträgt. Dies ist der Grund, warum der Praktizierende Zuflucht zum Guru nimmt.

 

 

Visualisierung der Zuflucht

Die folgende Visualisierung sollten Sie im Laufe der Vorbereitenden Übungen immer öfters verwenden, um sich mit ihr vertraut zu machen. Es wurde zwar irgendwo erwähnt «entweder Tapihritsa oder der Zufluchtsbaum», aber dieses «entweder oder» gilt nicht in diesem Zusammenhang.

 

Natürlich können Sie, wenn Sie mit der Visualisierung von dem gesamten Baum vertraut sind, einfach nur Tapihritsa visualisieren, um den Zeitaufwand zu reduzieren. Besser wäre es hier jedoch auch, Ihren Lama als Tapihritsa zu visualisieren, während Sie eine einfache Form (jeweils einen einzigen Aspekt) der kompletten Zuflucht ‒ Lama, Yidam, Buddha, Lehre, Bodhisattva, Khandro und Schützer ‒ oder von den vier höchsten Objekten ‒ Lama, Buddha, Lehre und Bodhisattva ‒ visualisieren, wie zum Beispiel bei dem dreimaligen Verbeugen.

 

(zum vergrößern anklicken)

 

In der Mitte des Baumes ist der Sambhogakaya-Aspekt von Buddha Shenla Ökar , auch als Kunzang Shenla bekannt, geschmückt mit der Krone, in kostbarer Seide gekleidet und mit den Juwelen-Ornamenten verziert. Er sitzt mit gekreuzten Beinen und hält in den Händen, die in der Samadi-Mudra gehalten werden, ein wertvolles Juwel.

 

Über ihm fliegt ein Garuda (Khyung), der König der Vögel und das Symbol der Dzogchen-Lehren. Dann sind im Himmel über ihm drei Gruppen von Figuren wie wogende Schäfchen-Wolken: die Gurus der verschiedenen Linien von den Bön-Lehren. Die zentrale Gruppe unmittelbar über dem Sambhogakaya besteht aus den verschiedenen Äbten von dem Kloster Menri, die größte Figur unter ihnen ist Nyame Sherab Gyaltsen selbst in deren Mitte. In dem Himmel über dem Kopf des Abtes Sherab Gyaltsen sind die drei Linien für die Bönpo Dzogchen-Lehren, wobei sich die Linie von dem Zhang-Zhung Nengyü im Zentrum nach oben zum Zenit des Himmels erstreckt, wo deren ultimative transzendente Quelle, der Ursprüngliche Buddha Kuntu Zangpo, in ruhiger Betrachtung sitzt.

 

Die beiden anderen Linien von den Gurus befinden sich rechts und links von dieser mittigen Säule der Formen. Zusammen sind diese drei Dzogchen-Linien innerhalb der Bön-Tradition als rdzogs snyan gsum, Atri, Dzogchen und Nengyü, bekannt. Auf der linken Seite der drei Dzogchen-Linien ist die Linie für die Vinayas oder die klösterlichen Schüler, absteigend von der Figur von Tönpa Shenrab, und rechts ist die Linie für die geheimen Mantras oder Tantras, absteigend von der Figur von Shenla Ökar.

 

In dem Himmel ganz rechts ist das Feld der neun erleuchteten Lehrer oder Buddhas, welche die neunfache Übertragung des Geistes vertreten, und gegenüber auf der linken Seite, gibt es eine Gruppe von Figuren, welche diejenigen der Fünf Pfade in der Tradition, nämlich die Wege der Ansammlung, der Anwendung, der Vision, der meditativen Entwicklung und der letztendlichen Realisierung, darstellen.

 

Zur unmittelbaren Linken von dem zentralen Shenla Ökar gibt es eine große Gruppe von Yidams oder Meditations-Gottheiten, einschließlich einer Gruppe von den mehr zornvollen Inneren Yidams, die zu den Höheren oder Inneren Tantras gehören und darunter die Gruppe von mehr gemischten Äußeren Yidams, die zu den Geringeren oder Äußeren Tantras gehören. Dann auf der rechten Seite, also zur linken Seite von dem Buddha, gibt es eine Ansammlung von wild tanzenden nackten Dakinis mit Yeshe Walmo, die zweiarmige Form von Sippe Gyalmo, in deren Mitte. Unterhalb von dem Buddha und diesem Feld von den Yidams und Dakinis, welche die Drei Wurzeln darstellen, gibt es die Scharen von den verschiedenen Schützern und den Hütern des Bön.

 

Zusammengefasst ist dieser gesamte Baum der Versammlung oder das Feld der Verdienste, als Zufluchts-Objekte oder als die Quelle der Zuflucht bekannt.

 

Hier gibt es zwei Phasen in der Praxis:

 

1. die Visualisierung von dem Baum der Versammlung und
2. die Darbringung von Niederwerfungen während der Rezitation von der Zufluchts-Formel.

 

Die Rezitationen und die Niederwerfungen werden im Laufe des Rückzugs einhunderttausend Mal durchgeführt.

 

 

Rezitation

Beten Sie mit glühender Hingabe den nachfolgend angegebenen Vers. Aber der Praktizierende kann auch die vielen verschiedenen Anrufungen und Zufluchts-Formeln, gefunden in verschiedenen Praxis-Handbüchern, verwenden, sollte jedoch bei ein und derselben Rezitation bleiben.

 

SHEN RAB LA MA KU SUM JYUNG NE PAL
DU SUM DER SHEK DRO WA YONG KYI GON
KU ZUK ZHAL KYIN KU DUNG SUNG RAB TEN
CHYOG CHUI SHEN RAB THAR LAM TÖN PE DRON
NE ZHIR TSCHAG TSAL DRO KUN KYAB SU CHI

 

Zu dem Meister Shenrab, der höchsten Quelle von dem Trikaya,
Zu allen Sugatas der drei Zeiten, den Beschützern von allen Lebewesen,
Zu den Bildern, die ihre Darstellungen sind, den heiligen Schriften und den Stupas, die alle ihre Unterstützung sind,
Und zu all den Shenrabpas der zehn Richtungen, welche die Lichter auf dem Weg zur Befreiung sind,
Zu diesen vier Quellen der Zuflucht nehmen ich und alle anderen Wesen Zuflucht, während wir unsere Niederwerfungen vor ihnen machen.

 

 

Visualisierung für die Niederwerfungen

Man visualisiert den Baum der Versammlung im Himmel vor und über sich selbst, wie beschrieben. In der Mitte des Baumes ist der Wurzel-Guru in der Form von dem Sambhogakaya-Buddha Shenla Ökar, der von Tausenden von Miniatur-Figuren der Drei Juwelen und der Drei Wurzeln umgeben ist. So wird der Himmel vor dem Übenden überall mit den glorreichen und leuchtenden Erscheinungen der Sambhogakayas und der Nirmanakayas als lebendige Präsenz gefüllt. Sie füllen den gesamten Himmel aus. Man sollte denken, dass man die Buddhas im Himmel vor sich selbst tatsächlich sieht, zu denen man betet.

 

Lichtstrahlen kommen aus ihrem Herzen und steigen in den Himmel auf. Diese Strahlen, rufen Segnungen oder spirituelle Energien der Erleuchtung in Form von Weisheits-Wesen oder Yeshepas herbei, die als Miniaturbilder von Licht, wie Schneeflocken, herunterkommen und diese werden von dem Baum der Versammlung aufgenommen. Diese Visualisierung stellt tatsächlich, durch den endlichen unterscheidenden Geist des Praktizierenden, etwas Erzeugtes dar. Allerdings sind diese beiden, die Weisheits- oder die gnostischen Wesen und die symbolischen Wesen, ineinander und vereinigt, immer eins und untrennbar, wie das Gießen von Wasser in Wasser. Auf diese Weise wird die Visualisierung gewährleistet und diese ist mit einem Leben und einer eigenen Intelligenz versehen und ist deshalb mehr als etwas, das nur durch den eigenen Geist und die Phantasie erstellt ist.

 

In der Visualisierung multipliziert man den eigenen Körper und führt alle anderen Wesen zu der Zufluchtnahme und zu der Durchführung von Niederwerfungen. Die Verbeugungen können entweder in der Kurzform erfolgen, wo man sich einfach kniet und mit den Handflächen der Hände und der Stirn den Boden berührt, oder in der langen Form, wo man den Körper komplett platt auf den Boden legt und die Hände über dem Kopf zusammenführt, was für die Vorbereitenden Übungen empfehlenswert ist. In jedem Fall steht man, nachdem man die Visualisierung erzeugt hat, aufrecht vor dieser Visualisierung und fühlt mit dem Glauben und der festen Überzeugung, dass die Objekte der Zuflucht tatsächlich vorhanden sind, was bedeutet, dass Sie diese tatsächlich sehen und hören können und diese wissen, was Sie machen. Fügen Sie die Handflächen, mit einem kleinen Hohlraum vor der Brust zusammen, als ob Sie ein großes kostbares Juwel halten, das Sie nun den Objekten der Zuflucht, vor allem für Kunzang Shenla, darbringen, von denen Sie die Ermächtigungen und die Einweihungen erbitten.

 

Vor jedem Durchgang legen Sie die eigenen zusammengelegten Handflächen zuerst vor die Stirn, dann vor die Kehle, und schließlich vor Ihr Herz und denken, dass Sie die Ermächtigungen von Körper, Rede und Geist von Kunzang Shenla empfangen. Wenn Sie die Hände nach unten bringen, denken Sie, dass Sie dadurch alle vergangenen karmischen Spuren und Verdunkelungen geläutert haben.

 

Dann legen Sie sich auf den Boden, damit die beiden Knie, die beiden Handflächen und die Stirn den Boden berühren.

 

Denken Sie, dass damit die fünf Gifte, welches die emotionalen Befleckungen sind, gereinigt werden. Wenn Sie dann wieder auf den Füßen stehen, fühlen Sie, dass Sie nun in der reinen Dimension der Erleuchtung, dem heiligen Raum der Objekte von der Zuflucht, stehen. Wie Sie ausatmen, erkennen Sie die ursprüngliche Reinheit dieser Dimension.