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Mandala-Gaben

Während man die Praxis des Bekennens für die Reinigung der Sünden oder von negativem Karma macht, ist der Zweck, den die Praxis der Mandala-Gaben bietet, Verdienst oder positives Karma anzusammeln. Hier gibt es zwei Überlegungen, nämlich, man bringt das Mandala dar oder das, was es ist, wird angeboten. Das Mandala, das eine Darstellung von der ganzen Welt mit all ihren Reichtum und Überfluss ist, wird an alle erleuchteten Wesen gegeben. Dies wird nicht zu deren Gunsten getan, weil ihnen nichts fehlt, sondern dies ist für den eigenen Vorteil, weil man einen Mangel an der Ansammlung von Verdienst hat und weil Handlungen der Großzügigkeit die besten Mittel sind, um verdienstvolles Karma zu erzeugen.

 

Erstens gibt es das Mandala, das wie der himmlische Palast der Götter ist und das ist das, was der Praktizierende im Himmel vor sich visualisiert, so wie Sie dies bereits vorher mit dem Baum der Versammlung getan haben. Das Vorhandensein dieses himmlischen Palastes wird mit dem Ertönen der Keimsilbe DRUM aufgerufen, die auf der Grundlage der fünf aufeinanderfolgenden Elemente steht, beginnend mit dem Raum-Element an der Unterseite, nach oben weitergehend zum Erd-Element. Dieses Mandala der erleuchteten Wesen ist die reine Dimension, die ein Feld von Verdienst ist. Eine ausführlichere Beschreibung dieses Baumes wurde vorhergehend angegeben.

 

Zweitens gibt es das Mandala, das den Buddhas und der Versammlung von Bodhisattvas, welche die Objekte der Zuflucht sind, angeboten wird.

 

Dieses Mandala hat vier verschiedene Ebenen von Bedeutungen:

 

1. Das Äußere Mandala: Dieses Mandala ist eine symbolische Darstellung der äußeren Welt und all den Reichtümern, die sie enthält. Siehe nachfolgend.

 

2. Das Innere Mandala: Das ist die symbolische Darbringung des eigenen physischen Körpers, als Ganachakra-Puja oder Tantra-Fest, wie in der nachfolgenden Praxis von dem Chöd, bekannt.

 

3. Das Geheime Mandala: Das ist die Darbringung der eigenen Gedanken und Emotionen, einschließlich der 84.000 Upadeshas oder den geringeren emotionalen Verunreinigungen, die auf Unwissenheit basieren, welche in dem unbegrenzten Zustand der Natur des Geistes in die 84.000 Arten von Wissen oder in die ursprünglichen Erkenntnisse umgewandelt werden.

 

4. Das Überaus Geheime Mandala: dies ist das selbst-entstandene Mandala des Dzogchen. Das heißt, die Verwirklichung davon und das Verbleiben in einem unveränderten Zustand, ohne Ablenkung, so dass keine Störungen durch diskursive Gedanken oder Gefühle entstehen. Auf diese Weise wird dies alles zu einem Teil der gesamten Darbringung an den eigenen Natürlichen Zustand.

 

Im Hinblick auf das Äußere Mandala gibt es zwei grundsätzliche Methoden, um die Darbringungen zu machen. Zuerst macht man mit den eigenen beiden Händen die Mandala-Mudra und rezitiert die Mantras. Bei dieser Mudra sind die beiden Ringfinger Rücken an Rücken gedrückt und sie stellen den Mount Meru in der Mitte der Welt dar. Die Spitzen der anderen Finger greifen sich gegenseitig und diese bedeuten die vier Kontinente, während die Kreise, die mit den Daumen gemacht werden, die Sonne und den Mond darstellen. Die Schalen, die von den Handflächen gebildet werden, sind die Ozeane.

 

Haltung der Hand-Mudra Hand-Mudra der Mandala-Darbringung

 

Bei der anderen, aufwändigeren Methode, welches die richtige für das Ngöndro ist, benutzt man eine silberne Platte mit drei silbernen Ringen, die fortschreitend mit Reis und anderen wertvollen Gegenständen gefüllt werden. Diese Ringe sind einer über dem anderen getürmt. Die Teile des Mandalas sind so konstruiert, dass sie die richtigen Abmessungen, die richtige Form und das richtige Material haben und darauf sind die Dekorationen und Ornamente angeordnet.

 

Drei-Etagen-Mandala mit Verzierungen Drei-Etagen-Mandala

 

Die Erschaffung der Welt ist durch diese runde Metallplatte und den drei Ringen, die oben darauf gesetzt sind, vertreten. Diese Ringe werden schrittweise mit Reis befüllt und übereinander gestapelt. Sie bedeuten das dreitausend-fache Universum, das heißt, ein Universum mit 1000 x 1000 x 1000 Welten-Systemen, die von intelligenten Wesen bewohnt werden, bei denen sich Buddhas manifestieren können. Der erste Ring stellt die ersten tausend Welten dar, der zweite Ring die zweiten Tausend und so weiter. Zu jeder dieser Welten mit all ihrem Reichtum und Kostbarkeiten gehören Devas, Nagas und Menschen. All dies wird den Gurus und den anderen Objekten der Zuflucht, visualisiert am Himmel, angeboten.

 

Man nimmt die Fünffache Haltung der Meditation ein und führt die neun Atemzüge wie gewohnt aus. Im Hinblick auf diese Praxis gibt es zwei Phasen:

 

1. Die Visualisierung des Baumes der Versammlung und
2. Das Reinigen und die Darbringung von dem Mandala beim Rezitieren der Mantras und der Vergegenwärtigung der Visualisierung.

 

Unsere rechte Hand halten wir in der Samadhi-Mudra, welche die Dualität von Raum und Gewahrsein bedeutet. Mit der linken Hand halten wir dann das Mandala. Während wir die Oberfläche der silbernen Platte mit der Handfläche der rechten Hand abreiben und reinigen, sollten wir denken, dass wir alle negativen karmischen Spuren und Schleier von uns selbst und anderen reinigen.

 

Man macht dies zuerst dreimal gegen den Uhrzeigersinn und dann dreimal im Uhrzeigersinn und schließlich dreimal quer. Man sollte denken, dass die Bewegung gegen den Uhrzeigersinn alles negative Karma unserer Vergangenheit reinigt, die Bewegung im Uhrzeigersinn all unser negatives Karma in der Zukunft reinigt und die Vorwärts- und Rückwärtsbewegung all unser negatives Karma in der Gegenwart reinigt. Während man die Oberfläche gut reinigt, rezitiert man das Mantra

 

OM NA MA A KAR SHA YA NI SHAK SALE SANG NGE YE SO HA

 

Die Bedeutung von diesem Mantra in der Sprache von Zhang-Zhung ist grob wie folgt: «Wir huldigen und reinigen im Geiste, wischen all unsere Befleckungen weg, damit alles klar und rein wird».

 

Die Funktion von diesem Mantra ist die Oberfläche der Mandala-Scheibe zu klären und zu reinigen. Dieses Mantra wird jedes Mal rezitiert, das heißt, insgesamt neunmal. Dann, die Platte immer noch in der linken Hand, ordnet man während der Rezitation des Mantras

 

DRUM RI TI GAR MA LA HO

 

mit der rechten Hand in der Mitte einen großen Haufen Reiskörner an.

 

Die Bedeutung von dem Mantra lautet: «Wir machen diesen himmlischen Palast so groß und schön wie den König der Berge selbst!» Der König der Berge ist Sumeru in der Mitte der Welt, bei der ideellen Kosmologie der Überlieferung.

 

Die Funktion von diesem Mantra ist, sich um das Zentrum zu etablieren. Der Haufen in der Mitte bedeutet den Mount Meru.

 

Weiter, ausgehend von Vorne, was die östliche Richtung darstellt und nach links, gegen den Uhrzeigersinn verlaufend, ordnet man beim Rezitieren des Mantras

 

A YANG RAM MANG KHANG DRUM SHAK SA LE SANG NGE SO HA

 

in den vier Himmelsrichtungen und in den acht Zwischenrichtungen die zwölf kleineren Haufen von Reis an, welche die zwölf Kontinente bedeuten.

 

Grob gesagt, ist die Bedeutung dieses Mantras: «Das Element des Raumes (A), der Luft (YANG), des Feuers (RAM), des Wassers (MANG), der Erde (KHANG) und der himmlische Palast selbst (DRUM) ‒ Wir wischen unseren Geist klar und sauber, wir zerstören unsere Verdunkelungen!»

 

Die Funktion von diesem Mantra ist es, die vier großen Kontinente und die acht kleineren Kontinente dieses Welten-Systems zu etablieren. Die vorstehenden Silben sind für die fünf Elemente Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Diese fünf aufeinander folgenden Elemente bilden den Grundstein für die materielle Welt. Während der Rezitation des Mantras

 

OM CHYÖ PHUR SA LE HA LO SENG

 

arrangiert man die Reiskörner als Darbringungs-Substanzen in den vier Richtungen um den Mittelpunkt wie die Blütenblätter einer Blume.

 

Die Bedeutung von diesem Mantra ist: «Und unsere Gedanken werden klar und sauber wie eine Blume!» Das Mandala, die reine Vision im Geist, ist mit einer Blume zu vergleichen, die man den Erleuchteten darbringt.

 

Die Funktion von diesem Mantra ist es, die Sonne und den Mond, sowie die acht günstigen Zeichen und so weiter zu etablieren. Insgesamt stellen die siebzehn Haufen von Reis den Mount Meru, die zwölf Kontinente und die vier Elemente dar. Man fügt den Reis in jeden Ring ein, platziert einen Ring auf dem anderen, bis jeder Ring gefüllt ist. Die ganze Zeit, in der man dies tut, sollte man sich bewusst sein, dass dieses Mandala sowohl die ganze Welt mit all ihrem Wohlstand und Reichtum von den Devas, den Nagas und den Menschen darstellt, als auch die acht Glückssymbole und die sieben Embleme eines Königtums enthält.

 

➳ Die erste Gruppe besteht aus dem Schirm, dem goldenen Fisch, der Schatz-Vase, dem Lotus, der Muschel, dem endlosen Knoten, dem Sieges-Banner und dem Rad.

➳ Die zweite Gruppe besteht aus dem Rad, dem Juwel, der Königin, dem Minister, dem Elefant, dem Pferd und dem General.

 

Dann, wenn das Mandala tatsächlich als eine silberne Platte mit den Ringen darbringt, hält man das Mandala mit der linken Hand ein bisschen nach oben und schnippt mit den Fingern der rechten Hand am Ende jeder Rezitation. Dies ist das Zeichen der Aktualisierung der Darbringung.

 

Man bringt hier nicht nur selbst dar, sondern gleichzeitig bringen auch alle anderen Lebewesen den Gurus und den Drei Juwelen Mandalas dar. Alle diese Formen sind Ausstrahlungen von uns selbst. Alle zusammen machen als eine einzige Gruppe, die Kollektivität aller Lebewesen, die Darbringungen an die Buddhas und die Bodhisattvas. Den Zweck, den dieses Mandala bietet, ist verdienstvolles Karma anzusammeln.

 

Man bietet diesen alles an, was in der Welt wertvoll ist. Obwohl man vielleicht nicht die Fähigkeit besitzt, dies in Wirklichkeit zu tun, ist dennoch diese Absicht im Geist des Praktizierenden. Die Praxis der Großzügigkeit ist die beste Methode für das Ansammeln von Verdienst. Außerdem überwindet man durch diese Praxis der Darbringung die eigenen Anhaftungen an Besitz. Normalerweise, wenn man etwas von dem eigenen Eigentum anbietet, erwartet man im Gegenzug etwas als Zahlungsmittel. Dies ist eine unreine Darbringung, weil die Absicht unrein ist. Es ist das Gleiche wie mit alter und ranziger Butter für Lampen auf dem Altar im Tempel, weil die Butter nicht mehr essbar ist. Man denkt, dass wenn die Menschen die Butter nicht mehr essen können, dann kann man sie immer noch den Buddhas anbieten. Aber die Buddhas können weder so leicht ausgetrickst noch hinters Licht geführt werden.

 

Deshalb muss man die Mandala-Darbringung mit einer reinen Absicht vornehmen. Man bietet alles an, was in dieser Welt als sauber und von bester Qualität vorhanden ist. Aber man sollte es frei weggeben, nichts zurück behalten, in keiner Weise an das Anhaften, was angeboten wird. Die Praxis des Bekennens ist notwendig für die Reinigung von Schleiern und die Mandala-Darbringung ist für den Zweck der Ansammlung von verdienstvollem Karma angebracht. Diese Vorbereitung von dem Bekennen und der Darbringung verwandelt den Praktizierenden in ein geeignetes Gefäß für die Aufnahme der reinen Weisheit von den Lehren.

 

Bevor man Nektar in sie füllt, muss die Vase geklärt und gereinigt werden, da sonst die Verunreinigungen darin den Nektar kontaminieren und verderben würden. Die Darbringungen können tatsächlich vorgenommen werden oder einfach nur im Geist visualisiert werden, je nachdem, was angemessen ist, weil hier nur unsere Absicht wirklich zählt. So sollte man alles, was man in der Welt hat, ohne Anhaftung darbringen.

 

Die Visualisierung der Objekte der Zuflucht wurde vorhergehend beschrieben.

 

Mit Bezug auf die Darbringung von diesem Mandala, ist das überlegene Verfahren, es zu visualisieren und es sich als gleich der Unendlichkeit aller Universen in der Weite des Raumes vorzustellen. Die mittlere Prozedur ist, es zu visualisieren und zu denken, dass es gleich dem drei-tausendfachen Universum ist und das geringere Verfahren ist, es zu visualisieren und zu denken, dass es nur dem Brahmaloka gleich ist. Der Brahmaloka ist die höhere geistige Ebene, die von den Brahmanen oder den Schöpfergöttern bewohnt wird.

 

Für diesen Zweck kann das folgende Darbringungs-Gebet verwendet werden:

 

OM NA MA A KAR SHA YA NI SHAK SA LE SANG NGE YE SO HA
Wir huldigen und reinigen im Geiste, wischen all unsere Befleckungen weg, damit alles klar und rein wird.

 

DRUM RI TI GAR MA LA HO
Wir machen diesen himmlischen Palast so groß und schön wie den König der Berge selbst!

 

A YANG RAM MANG KHANG DRUM SHAK SA LE SAN NGE SO HA
Das Element des Raumes (A), der Luft (YANG), des Feuers (RAM), des Wassers (MANG), der Erde (KHANG) und der himmlische Palast selbst (DRUM) ‒ Wir wischen unseren Geist klar und sauber, wir zerstören unsere Verdunkelungen!

 

CHÖD PHUR SA LE HA LO SENG
Und unsere Gedanken werden klar und sauber wie eine Blume!

 

E MA HO
JYUNG NGE TENG DU RI RAB RI DUN DANG
LING ZHI LING TRAN CHYI NANG DOD YON CHE
NYI DE GYAN PA JYE WA TRAK GYA DE
DAK GI LO LANG BUL LO ZHE SU SOL

 

Emaho! Am Anfang der Gründung der fünf Elemente werden Mount Meru und die sieben goldenen Berge gebaut,
Die vier großen und die acht kleineren Kontinente, zusammen mit all den schönen äußeren und inneren Qualitäten für die Sinne, die sie enthalten,
Und mit der Sonne und dem Mond geschmückt: diese Hunderte von Millionen von Welten-Systemen,
Präsentiert von unserem Geist, bringen wir dar, bitte akzeptiert diese!

 

OM A DA DA DE DE CHÖ PHUR SA LE HA LO SENG
SWO MU YE TRO KHYUNG YE LAM TRI TRI TAR
DAR SAL BAR Ö PAK RAM SO HA

 

Man sollte beachten, dass all diese Mantras, wie sie in der Bekennen-Formel gegeben sind, in der Sprache von Zhang-Zhung und nicht in der Sanskrit-Sprache von Indien dargestellt werden. Allerdings sind die Keimsilben oder Bijamantras zum Hervorrufen der fünf Elemente und des himmlischen Palastes die gleichen wie im Sanskrit, wobei die letzte Silbe DRUM ist. E MA HO bedeutet «Wie wunderbar!»

 

Die Bedeutung des letzten Mantras ist:
OM A DA DA DE DE
ꟷ unser Geist wird so klar und so sauber wie eine Blume!

 

Im nächsten Mantra stellt der Klang der Anrufung SWO Nampar Gyalwa (oder Tönpa Shenrab) dar. MU zeigt auf den Dharmakaya, YE auf den Sambhogakaya und TRO auf den Nirmanakaya. Die übrigen Silben repräsentieren die zugehörigen Gottheiten im Gefolge.

 

Das abschließende Mantra heißt wörtlich: «Klar! Strahlend! Unermessliches Licht!» RAM SWAHA hat aber die Bedeutung: «Mögen wir die Aussendung Deiner Weisheit empfangen!» Die Funktion dieses abschließenden Mantras ist für die Vernichtung oder Auflösung des Mandalas.

 

Nachdem man eine Unendlichkeit von Angeboten, die von den Lebewesen gewünscht oder benötigt werden, herbei beschworen hat, betet man, dass im Geistes-Strom eine besondere Erfahrung und das Verständnis für den Natürlichen Zustand und das Mahayana hergestellt werden. Mit dem Rezitieren von diesen Worten macht man die Darbringungen und die Verpflichtungen.

 

Diese Praxis der Darbringung von dem eigenen physischen Körper als Mandala ist der beschriebenen Chöd-Praxis ähnlich.