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Rezitation

Dann rezitiert man laut oder singt die Mantras sogar in einer melodischen Stimme, um die Erfahrung zu bestätigen. Dies ist das Seva als solches oder der rituelle Dienst des Rezitierens von Mantras. Es gibt drei Mantras, die in der Bönpo-Praxis sehr weit verbreitet sind und die hier für die Zwecke der Reinigung und der Umwandlung genutzt werden können. Diese Mantras sollten so oft wie möglich oder mindestens 100.000 Mal rezitiert werden. Man sollte, während man sich in einer Sitzung der Mantra-Rezitation engagiert, weder essen noch sprechen. Die Mantras, die als die drei wesentlichen Herz-Mantras bekannt sind, sind wie folgt:

 

1. A A KAR SA LE Ö A YANG OM DU

Dies ist das Mantra, das vor allem mit dem Dharmakaya Aspekt von Kuntu Zangpo verbunden ist und auch für die Entwicklung der Sichtweise des Dzogchen in Bezug auf die Betrachtung und die Vision eingesetzt wird.

 

Die Silbe von dem ersten langen A bedeutet Shenla Ökar, während A KAR den Dharmakaya (Bönku) bedeutet. SA LE Ö bedeutet «Klares Licht» und A YANG bedeutet «ungeborene Weisheit». Die Silbe OM bedeutet die fünf Körper eines Buddhas (Bönku, Dzogku, Trülku, Nobo Nidku und Nonpar Changchub Kschiku). Die Silbe DU bedeutet «so soll es sein!».

 

 

2. OM MA TRI MU YE SALE DU

Das ist das Große Mantra, das vor allem mit Tönpa Shenrab verbunden ist und es dient der Reinigung von den sechs Bereichen oder Schicksalen der Wiedergeburt. Wie oben erläutert, bedeuten die ersten beiden Silben den Buddha und die Große Mutter, die Vollkommenheit der Weisheit, während die übrigen sechs Silben die Dulshen oder die sechs Ausstrahlungen von Tönpa Shenrab in den sechs Schicksalen der Wiedergeburt bedeuten.

 

In diesem Mantra entspricht jede Silbe einer Manifestation des erleuchteten Bewusstseins:

 

OM stellt den Buddha Tönpa Shenrab mit geschickten Mitteln und Mitgefühl dar;
MA ist die Große Mutter Sherab Chamma, die für Weisheit und die Weite des Raumes steht;

 

Dann folgen die sechs Emanationen von Buddha, die als die Sechs Dulshen bekannt sind, welche die sechs Schicksale der Wiedergeburt bezwingen und umwandeln;

 

TRI ist Mucho Demdruk, der Zorn und Hass durch totale Liebe und Freundlichkeit verwandelt und damit die verschiedenen Höllenbereiche reinigt;

 

MU ist Sangwa Ngangring, der Gier und Verlangen durch totale Großzügigkeit verwandelt und damit die Bereiche der Pretas oder hungrigen Geister reinigt.

 

YE ist Tisang Rangzhi, der Unwissenheit und Verwirrung durch allumfassendes Wissen und Weisheit umwandelt und damit die Tierwelt reinigt.

 

SA ist Drajin Pungpa, der Neid und Eifersucht durch totale Weite verwandelt und damit die menschliche Welt reinigt.

 

LE ist Chegyal Parti, der Stolz und Arroganz durch totale Ruhe verwandelt und damit die Bereiche der Asuras reinigt.

 

DU ist Yeshen Tsugphud, der Faulheit und Trägheit durch totalen Fleiß und totale Kraft verwandelt und damit die Bereiche der Devas reinigt.

 

 

3. A KAR A MED DU TRI SU NAG PO ZHI ZHI MAL MAL SO HA

Dies ist ein weiteres Mantra für die Reinigung der sechs Bereiche, für das Bekenntnis von negativen Handlungen und für die Reinigung im Allgemeinen. Es ist mit dem Sambhogakaya Aspekt von Shenla Ökar verbunden. Die Bedeutung von diesem Mantra ist etwa wie folgt: «Mögen alle Missverständnisse zerstört werden und mögen alle negativen Handlungen der drei Gifte befriedet werden; möge der Geist im Licht der Weisheit friedvoll sein!»

 

Die esoterische Bedeutung der Silben dieses Mantras wird in der Darstellung der Wörter wie folgt erklärt:
A KAR bedeutet, dass die Natur des Geistes völlig rein ist,
A MED bedeutet, dass das Ursprüngliche Gewahrsein deutlich, wie Licht, sichtbar ist,
DU TRI SU bedeutet, dass die bösen Schicksale der Wiedergeburt in Samsara gereinigt werden, nämlich die Höllen, die Preta-Bereiche und die Bereiche der Tiere,
NAG PO bedeutet, dass die Sünden und Schleier des eigenen Karma's gereinigt werden,
ZHI ZHI bedeutet, dass die Leiden von Samsara befriedet werden,
MAL MAL bedeutet, dass man dazu kommt, die Gedanken des Glücks zu besitzen und
SOHA bedeutet, dass man Rudra, der Dämon der falschen Ansichten, überwindet.

 

Danach bringt man das Siegel der Nicht-Konzeptualität an, das heißt, man tritt in einen Zustand der Betrachtung ein, die frei von allen diskursiven Gedanken ist. Und dadurch erweckt, widmet man den entstandenen Verdienst der Erleuchtung aller fühlenden Wesen.